HGV

Mitglieder-News

HGV

Quelle: Kieler Nachrichten, 14.1.2020 » Kieler Nachrichten

Schwentinental in der Vorreiter-Rolle


Beim Gründer- und Technikzentrum in Schwentinental werden jetzt im Jahr 350.000 Kilowattstunden Gas und damit rund 77 Tonnen CO2 eingespart. Damit ist es eines der ersten Gebäude in Schleswig-Holstein, das mit Abwärme aus industrieller Produktion geheizt wird. Die Wärme kommt von der Firma E-nema.

Von Sibylle Haberstumpf

"Dieser Arbeitsplatz wäre um ein Haar zum Kühlschrank geworden: das Gründer- und Technikzentrum in Schwentinental. Hier hat die Wirtschafts-Förderungs-Agentur des Kreises Plön (WFA) ihren Sitz – in dem Gebäude sind auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern 34 Mieter mit rund 200 Mitarbeitern angesiedelt. Und beinahe hätten sie alle ohne Heizung auskommen müssen. Denn die beiden knapp 30 Jahre alten Gaskessel im Heizungskeller waren altersschwach und kurz davor, den Geist aufzugeben.

Für den Kreis Plön war klar: Ersatz musste her. „Händeringend haben wir nach einer Lösung gesucht“, erinnert sich WFA-Mitarbeiter Christian Kliesow. Das war vor mehr als einem Jahr. Klimaneutrale Wärmeversorgung: Heute ist WFA-Geschäftsführer Knut Voigt froh, dass die alte Gasheizung lange genug durchgehalten hat. „Mit der Firma E-nema aus Schwentinental konnten wir einen gemeinsamen Partner finden, mit dem wir eine klimaneutrale Wärmeversorgung entwickelt haben“, sagt er. Schon im Oktober 2019 konnte das Gebäude auf Nahwärmeversorgung umgestellt werden.

Den offiziellen Start des ressourcenschonenden Projekts verkündete Landrätin Stephanie Ladwig aber erst jetzt. „Für den Kreis Plön stehen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda “, betont sie und fügt an: „Für so eine Zusammenarbeit zwischen Industrie und Verwaltung wünsche ich mir viele Nachahmer.“ Einer der größten Energiefresser hierzulande sind, wie auch das Umweltministerium feststellt, alte Gebäude mit nicht erneuerten Öl- und Gasheizungsanlagen. Leuchtturm und Vorreiter im Kreis Plön: Tatsächlich gilt Schwentinental mit dem Projekt als Leuchtturm und Vorreiter im Kreis Plön.

Beim Gründer- und Technikzentrum werden Voigt zufolge jetzt 350.000 Kilowattstunden Gas und damit rund 77 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. „Damit ist es eines der ersten Gebäude in Schleswig-Holstein, das mit Abwärme aus industrieller Produktion geheizt wird“, unterstreicht Voigt. In den E-nema-Produktionsräumen stehen, für Technik-Liebhaber sehr beeindruckend anzuschauen, viele unterschiedlich große Bioreaktoren mit Kapazitäten von bis zu 60.000 Liter. Die nötige Wärme entsteht dort im normalen Produktionsprozess – und wird dann als Abwärme nicht mehr wie bisher an die Umwelt abgegeben, sondern über eine Nahwärmeleitung an das Gründer- und Technikzentrum geliefert. Für etwa 200.000 Euro hat E-nema, mittelständisches Biotechnologie-Unternehmen mit rund zehn Millionen Euro Jahresumsatz, besagte Leitung gelegt, zu 40 Prozent gefördert von der KfW-Förderbank. Das Gründer- und Technikzentrum ist E-nemas Nachbar, es liegt rund 200 Meter entfernt. Die Nahwärmeleitung wurde in einem Meter Tiefe verlegt und unter der Lise-Meitner-Straße hindurchgeführt. Projektstart verzögerte sich: Wobei man, erzählt Geschäftsführer Tillmann Frank, diverse Verzögerungen hinnehmen musste: Zunächst sprang vor Weihnachten 2018 der Leitungsbauer wegen plötzlicher Insolvenz ab und verursachte für E-nema laut Frank einen Schaden von rund 100.000 Euro. Danach stieß man bei den Arbeiten im Sommer 2019 auf zwei Weltkriegsbomben – die glücklicherweise entschärft werden konnten.

Aus Sicht der Beteiligten haben sich die Anstrengungen gelohnt: Das Gebäude der Wirtschaftsförderung des Kreises Plön ist jetzt nahezu klimaneutral beheizt. Damit sei man auch hinsichtlich des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung gut aufgestellt – bis zum Jahr 2030 sollen 55 Prozent weniger Treibhausgase erreicht werden. In Schwentinental werde jetzt schon gezeigt, so Voigt, wie man dieses Ziel erreichen könne.

SWS

Von links: Tillmann Frank, Geschäftsführer der Firma E-nema in Schwentinental, Knut Voigt von der Wirtschaftsförderungsagentur des Kreises Plön und Energieberater Bernd Meier.

Quelle: Sibylle Haberstumpf

 

« zurück

 
 
Empfehlungen 
auswahl
dummy
^